FUNDE VOM DONNERSBERG
( 22.11.2010 )
Prachtstücke von Esse und Amboss -
Unter den erhaltenen Eisenwerkzeugen finden sich auch Äxte und Meißel zur Holzbearbeitung
VON ANDREA ZEEB-LANZ
In der spätkeltischen Zeit des zweiten und ersten Jahrhunderts v. Chr. ist Eisen ein bereits seit Jahrhunderten bekannter Werkstoff. Da dieses Metall erheblich härter und widerstandsfähiger ist als Bronze, wurde Eisen vor allem für die Herstellung von Werkzeugen aller Art verwendet. Das Schmieden war ein spezieller Handwerksberuf und wurde von eigens dafür ausgebildeten Spezialisten ausgeführt. Der Holzbedarf für das Befeuern der Esse eines Schmiedes war groß, da für die Verarbeitung von Eisen hohe Temperaturen benötigt wurden.
Westlich und nördlich des Donnersberges gibt es eine Reihe von Eisenerzvorkommen, die sicherlich auch bereits von den Kelten ausgebeutet wurden, wenngleich bislangaufgrund der Überprägung durch mittelalterlichen Bergbau konkrete Spuren dieser bergmännischen Tätigkeiten aus keltischer Zeit fehlen. Daneben baute man im Tagebau Raseneisenerz ab, welches nahe der Oberfläche auftritt.
In einem Zentralort wie dem Oppidum auf dem Donnersberg war Handwerk aller Art ein wichtiger Bestandteil des frühstädtischen Lebens. Dass hier Eisenwerkzeuge hergestellt und sicher auch verhandelt wurden, bezeugen zahlreiche Funde, darunter auch Halbfabrikate, also nicht fertiggestellte Werkzeuge.
Glücklicherweise sind die Bodenbedingungen auf dem Donnersbergmassivrecht günstig für die Erhaltung von Eisen, so dass uns mittlerweile ein breites Repertoire an Eisenwerkzeugen einen Einblick in das Leben der keltischen Bevölkerung des Oppidums vermittelt. Vor allem Äxte wurden bereits in vielfacher Ausführung gefunden. Dabei dominiert die Tüllenaxt, also ein Werkzeug, das in einer Tülle endet, in die ein Holzgriff eingesetzt war. Tüllenäxte, die es vom Donnersberg in verschiedenen Größen gibt, dienten vor allem der Holzbearbeitung – mit größeren Exemplaren konnten Bäume gefällt und entrindet werden, kleinere Äxte wurden zur weiteren Verarbeitung des Holzes genutzt.
Für die Feinbehandlung von Holz, etwa für die Herstellung von Holzgefäßen, Holzlöffeln oder anderen Gegenständen des täglichen Lebens, wurden Meißel aus Eisen verwendet, die ebenfalls häufig in Form von Tüllenwerkzeugen vorliegen. Mit den scharf geschmiedeten Meißelkanten ließen sich problemlos Späne verschiedener Größe von dem zu bearbeitenden Holz abspleißen, um so die jeweils gewünschte Form zu erhalten.
Spitz zulaufende, bohrerartige Werkzeuge, auch oft mit einer Grifftülle versehen, wurden womöglich im Bereich der Lederverarbeitung eingesetzt, um Löcher zu bohren, die dem Vernähen, etwa bei Kleidungsstücken, dienten. Für viele Fragmente von Eisenwerkzeugen, die in den letzten Jahren auf dem Donnersberg von Ehrenamtlichen gefunden wurden, lässt sich die ursprüngliche Form und damit die Funktion leider nicht mehr genau bestimmen. Das vorhandene Spektrum an Eisenwerkzeugen, welches sich ähnlich auch in anderen spätkeltischen Oppida findet, belegt jedoch eindrücklich, dass hier auf dem Donnersberg nicht nur intensiv Schmiedehandwerk ausgeübt wurde, sondern auch zahlreiche andere Gewerke ihren Platz im frühstädtischen Leben hatten.

Auf der Rekonstruktionszeichnung ist zu sehen, wie das lederne Gürtelende ein Stück in die Lasche gezogen und mittels eines Niets befestigt wurde. Foto: Direktion Archäologie

