FUNDE VOM DONNERSBERG
( 16.10.2010 )
Für die Zügel im bäuerlichen Gespann -
Nicht alle im Bereich der Keltenstadt gefundenen Ringe wurden am Finger getragen
VON ANDREA ZEEB-LANZ
Ein Fundstück, welches dem ungeübten Auge erst einmal seltsam erscheinen mag, ist der nebenan abgebildete Ring aus Bronze, der nicht rund, sondern eher gedrückt erscheint und unten in einer Art Kappe sitzt. Bei diesem Fundstück, das uns wichtige Aufschlüsse über den Alltag der Kelten auf dem Donnersberg geben kann, handelt es sich umeinen Zügelführungsring.
Eine Zügelführung wird überall dort benötigt, wo Zugtiere in ein Joch gespannt werden, um einen Wagen zu ziehen. Häufig waren dies, auch bei den Kelten, Ochsen, die vor vierrädrige Gefährte gespannt wurden, um Güter zu transportieren – seien dies Getreide, Gemüse oder andere Vorratswaren. Aber auch Pferde wurden natürlich als Zugtiere genutzt. Daneben wurden Zügelführungsringe auch für die zweirädrigen Kriegswagen benötigt, die ab dem vierten Jahrhundert v. Chr. für die Kelten mehr und mehr an Bedeutung gewannen. Die Ringe, durch die die Zügel geführt wurden, saßen oben auf den Jochen, entweder, wie die Zeichnung illustriert, auf Doppeljochen für Transportgespanne, oder aber auf Einzeljochen bei Gefährten, die von einem oder zwei Pferden bewegt wurden; hier lagen die Joche direkt auf den Pferderücken auf.
Bronzene, gut gearbeitete Führungsringe, wie der hier vorgestellte, gehören sicher zu Pferdegeschirren. Durch die Ringe wurden die Zügel geführt, damit derjenige, der den Wagen lenkte, die Pferde gut koordinieren konnte. Die Bronzekappe, in welche der Ring eingepasst ist, stellt – bei zwei Tieren – das Verbindungsglied zum Joch dar, bei einem einzelnen Pferd wäre es Teil der Zäumung.
Die Sorgfalt der Ausarbeitung des hier vorgestellten Führungsringes vom Donnersberg gibt uns – wie ja auch mittlerweile eine Reihe anderer Funde – immerhin eine vage Idee von der Bedeutung dieser frühstädtischen Siedlung und vom Wohlstand einer Oberschicht der Bewohner dieses sicherlich in der späten Keltenzeit wichtigen Zentrums des pfälzischen Rheingebietes.
Die Tatsache, dass mittlerweile bereits eine ganze Reihe qualitativ hochwertiger Zügelführungsringe vom Donnersberg vorliegt – dank der akribischen Arbeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter der Direktion Landesarchäologie Speyer – lässt darauf schließen, dass der Verkehr mit zwei- oder auch vierrädrigen Wagen zum normalen Alltag im Oppidum auf dem Donnersberg gehörte. Dies verwundert angesichts der Weitläufigkeit der Stadtanlage nicht – immerhin 140 Hektar dürfen als bewohntes Gelände angenommen werden. Man kann sich gut vorstellen, dass der eine oder andere Besitzer eines Pferdegespannes sich eine neue Ausrüstung für sein Gefährt direkt auf dem zentralen Markt in der Stadt besorgte, das alte dann einfach – vielleicht in seinem Hof – liegen ließ und so uns als späten Nachkommen die Chance gab, einen Einblick in das Leben der Kelten auf dem Donnersberg zu gewinnen.

Rekonstruktionszeichnung. Foto: Direktion Archäologie

