DONNERSBERGVEREIN e.V.

Für Mensch und Natur in der Region

DIE RHEINPFALZ — NR. 179

FUNDE VOM DONNERSBERG
( 05.08.2010 )

Ein Ring gibt Rätsel auf - Ein keltischer Amulettring zeigt womöglich germanischen Einfluss

VON ANDREA ZEEB-LANZ

 

Seit sechs Jahren wird der Donnersberg m Auftrag der Denkmalpflege in Speyer von zwei ehrenamtlichen Mitarbeitern systematisch begangen. Sie arbeiten mit einem Metalldetektor, messen alle Fundstellen genau ein, bergen nur Funde, die in der Humusdeckschicht des Waldbodens liegen und liefern alle diese Funde zur wissenschaftlichen Bearbeitung in Speyer ab. Diese ehrenamtliche Arbeit hat in den letzten Jahren eine erhebliche Anzahl an Metallfunden aus dem keltischen Oppidum erbracht, die unser Bild vom Leben und dem städtischen Milieu der großen Siedlung auf dem Donnersberg ganz erheblich erweitert haben.

Ein sehr interessantes und bislang nur in einem Exemplar bekanntes Schmuckstück, das aus einer dieser Begehungen stammt, ist ein sogenannter Knotenring. Ringe dieser Art, die nach den auf einem Ring aufgesetzten Noppen oder Knoten ihren Namen erhalten haben, werden als Amulette betrachtet, die wohl zum Schutz gegen böse Mächte getragen wurden, wahrscheinlich als Halsschmuck an einer Kette.

Der Knotenring vom Donnersberg ist insofern ein besonderes Exemplar dieser Gattung, als es sich eigentlich um zwei Ringe handelt, die durch kleine Stege miteinander verbunden sind. Der innere Ring ist nicht geschlossen, was vermutlich als Fehler beim Guss des bronzenen Schmuckstückes zu betrachten ist. Auf dem äußeren Ring sitzen dicht an dicht die kleinen Noppen, die in der Fachsprache als "Knoten" angesprochen werden und dem Knotenring seinen Namen gaben.

Das Stück vom Donnersberg ist nicht mehr vollständig – es fehlt ein Teil des äußeren Ringes. Vor allem aber sind die außen auf diesem Ring sitzenden Figuren abgebrochen. Vergleichbare Ringe aus anderen keltischen Siedlungen zeigen in der Regel Widderfigürchen, die auf dem Ring aufliegen. In unserem Fall dürfte es sich aber eher um Vogelfiguren gehandelt haben, wie Vergleiche aus dem germanischen Raum rechts des Rheines zeigen (siehe Abbildung). So hat hier offenbar eine germanische Sitte Einfluss auf das keltische Kunstschaffen genommen – die typisch keltischen Widderfiguren auf Knotenringen wurden bei dem Exemplar vom Donnersberg durch die im germanischen Siedlungsraum bekannten Vogelfiguren ausgewechselt.

Dieses interessante kleine Einzelstück kann damit etwas über die weitreichenden Kulturkontakte der keltischen Bewohner des Donnersberges erzählen – nicht auszuschließen ist auch die Variante, dass hier ein germanischer Anhänger durch Handel oder Tausch seinen Weg auf den Donnersberg gefunden hat. In jedem Fall dürfte dem Träger oder der Trägerin dieses Amulettes die Aufmerksamkeit der Mitbewohner sicher gewesen sein, trug doch sicherlich niemand sonst so ein außergewöhnliches Schmuckstück.

Zum Vergleich die Rekonstruktionszeichnung eines (einfachen) germanischen Knotenrings. Foto: Direktion Archäologie

Der Knotenring vom Donnersberg bestand eigentlich aus zwei Ringen, die mit Stegen verbunden waren. Vergleiche die Rekonstruktionszeichnung weiter unten. Foto: Direktion Archäologie

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