DONNERSBERGVEREIN e.V.

Für Mensch und Natur in der Region

DIE RHEINPFALZ — NR. 285

Kaum mehr zu erkennen: Ein Tor in die Vergangenheit ( 06.12.2008 )

TÜR IM ADVENT: Im Ringwall auf dem Donnersberg
finden sich noch Spuren von keltischen Zangentor-Anlagen

VON ANJA HARTMETZ (ajh)

 

Foto: DIE RHEINPFALZ

 

Heute entdecken wir eine Tür, oder vielmehr ein Tor, das gar nicht mehr als solches zu erkennen ist: ein keltisches Zangentor im Donnersberger Ringwall.

Vier Stück davon gibt es im Ganzen, das Schönste befindet sich gleich unterhalb des Ludwigsturmes. Ein Waldweg, der von Spaziergängern häufig benutzt wird, führt mitten hindurch. Es ist ein Tor weit zurück in die Vergangenheit, denn auf diesem Weg, durch dieses Tor, haben schon die Kelten ihre Stadt betreten.

Und so mancher RHEINPFALZ-Leser ist vielleicht hindurchgeschritten, ohne dass es ihm bewusst wurde, auf welch geschichtsbeladenem Pfad er unterwegs war. Denn wer es nicht weiß, kann von sich aus nicht erkennen, dass sich an dieser Stelle vor mehr als 2000 Jahren einmal ein Tor befand. Er sieht ganz einfach einen Durchbruch im Ringwall. Zumal in viel späteren Zeiten der Wall an manchen Stellen für weitere Zugänge einfach so durchbrochen wurde.

Das Zangentor aber ist Teil der alten Befestigungsanlage. Solche Tore waren typisch für keltische Städte, das weiß man aus vielen Ausgrabungen. Sie saßen an einer Stelle, wo die Außenmauern von beiden Seiten nach innen schwenkten. Dadurch entstand ein Korridor zwischen den Mauern, durch den ein Angreifer musste, wenn er zum Tor wollte. Von den Mauern aus konnte er von den Verteidigern beidseitig in die Zange genommen werden – daher der Name.

Die eigentliche Mauer der Befestigung ist übrigens noch da – verborgen im Wall. Denn nachdem die Kelten ihre Stadt im ersten Jahrhundert v. Chr. ziemlich plötzlich verlassen hatten (wahrscheinlich auf der Flucht vor den aus Norden und Süden gleichzeitig anrückenden Germanen und Römern), blieb die Befestigung, die im Normalfall alle paar Jahre ausgebessert werden musste, sich selbst und den Naturgewalten überlassen.

Allmählich bröckelten die Steine heraus, das Mauerwerk, das durch keinerlei Mörtel zusammengehalten wurde, rutschte und stürzte in sich zusammen, und über den Schuttwall wurde im Laufe der Zeit Erde geweht. Darauf wuchsen Kräuter, Gräser und Büsche, schließlich auch Bäume, die in den unter der dünnen Erdschicht verborgenen Mauerresten festwurzelten.

Die Toranlagen, die größtenteils aus Holz waren, verwitterten, fielen in sich zusammen, bis sie schließlich ganz verschwunden waren. Aber im Wall kann man sie heute noch nachweisen. Denn wo sich früher die beiden "Zangen" befanden, macht der Wall jeweils deutlich einen Bogen nach innen, was man mit kundigem Blick im Gelände auch erkennen kann.

Damit sich heutige Menschen (vor allem natürlich Touristen), eine solche Konstruktion besser vorstellen können, träumt man im Kreis davon, irgendwann in Zukunft ein solches Zangentor, ähnlich wie das Mauerstück, fachgemäß rekonstruieren zu lassen. Dann wird der Weg in die keltische Vergangenheit noch viel einfacher werden.